Gedichte

seidene Schnüre

Es tanzt die kleine Marionette

und hebt ihr Füßchen graziös.

Sie zappelt eifrig um die Wette,

sie dreht sich keck und kapriziös.

Doch seidene Schnüre schneiden scharf

in zarte Haut so tief sich ein.

Ein Fremder sieht, was nicht sein darf

und mischt sich in ihr Leben ein.

Er schneidet ihr die Fäden ab

und schenkt ihr ihre Freiheit wieder.

Sie sackt hinab ins tiefe Grab

voll kalt erstarrter Puppenglieder.

Da liegt sie nun, so steif und stumm

und hofft, dass man die Seile klebe,

dass bald ein neuer Meister kommt,

für den sie treu auf ewig lebe.